Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2015 / 04 S. 17

Kein Wischiwaschi

„Nach dem Klo und vor dem Essen … Händewaschen nicht vergessen“

© Sandor Jackal -Fotolia.com
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Viele der krankmachenden Erreger unter all den Viren und Bakterien, denen wir ausgesetzt sind, werden per Handschlag oder an der Türklinke übertragen. Sie gelangen von der Hand über die durchlässigen Schleimhäute in unseren Körper. Saubere Hände können das verhindern. – Ein Plädoyer für Wasser, Seife und das Abtrocknen.

Keine Frage, wir sind besiedelt. Von unsichtbaren Viren und Bakterien, die uns etwa als gesunde Darmflora viel Gutes tun, und von anderen Konsorten, die uns krankmachen können.

Manchmal breiten sich diese Krankheitserreger rasant aus. Sie erreichen uns direkt über die Atemwege, oft aber über die Hände – sobald wir uns damit im Gesicht berühren. So gelangen sie über die Schleimhäute (Mund, Nase, Augen) in unseren Körper. Wer sich einmal gründlich die Hände mit Wasser und Seife wäscht, hat danach tausendmal weniger Erreger auf seinen Händen – und senkt das Risiko einer Infektion deutlich. Die wichtigsten Belege dafür lieferte bereits der Arzt Ignaz Semmelweis (siehe Kasten).

Wann Händewaschen?

haendewasch_Seite-18Es geht nicht darum, die Hände so oft wie möglich zu waschen, sondern dann, wenn es Sinn macht, etwa vor dem Essen und nach dem Toilettengang. Wer eine Mahlzeit zubereitet, sollte vorher und zwischendurch Wasser und Seife an seine Finger lassen, besonders wenn es nach der Fleischbearbeitung zum Salatschnippeln geht. Vor allem in rohem Fleisch kann es von Keimen wimmeln – meist sind es Salmonellen. Auch bei Menschen mit einer Infektionskrankheit kann man sich leicht anstecken. Wer sie besucht oder zu Hause pflegt, sollte danach – aber auch zuvor! – Wasser und Seife benutzen.

Wer selbst erkältet oder „grippig“ ist, sollte sich nach dem Naseputzen in ein Papiertaschentuch oder nach dem Husten in die vorgehaltene Hand seine Hände waschen, um andere zu schützen. Längst wird übrigens empfohlen, in die Armbeuge zu husten.

Auch (Haus-)Tiere können Krankheits-keime übertragen (GPSP 2/15, S. 22). Darum sollten vor allem Kinder, die oft eng mit Hund, Katze & Co. schmusen und deren Immun-system noch in der Entwicklung ist, sich die Hände und Finger gründlich waschen – vor allem bevor sie sich an den Tisch setzen. Eltern und Erzieher bringen ihnen das meist spielerisch bei. Ein Wasch-Muss gilt für Liebhaber von Schildkröten, Echsen, Schlangen und andere Exoten: Sie übertragen besonders häufig Salmonellen – höchst unangenehme und für Kinder gefährliche Erreger von Durchfall. Und wer Aquarien, Käfige oder das Katzenklo gereinigt hat, sollte sich unbedingt die Hände waschen.
Aber:
Gründliches Händewaschen, was heißt das überhaupt? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und das Robert Koch-Institut haben praktische Tipps anschaulich zusammengestellt (siehe Abbildung). In Arztpraxis oder Klinik ist es richtig und wichtig, Hände zu desinfizieren und antibakterielle Seifen zu benutzen. Im Alltag genügt ein Stück Seife oder eine Waschlotion (pH-neutrale Mittel schonen die Haut). Wo viele sich die Hände reinigen, ist Flüssigseife hygienischer. Ist keine Seife da? Dann besser nur mit Wasser waschen als gar nicht. Fehlt ein Handtuch oder Trockner? Händen trockenschütteln!

Übrigens: Zu Hause ist eine Desinfektion mit Sagrotan® und ähnlichen Produkten übertrieben und Unfug.

Abbildung mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Ignaz Semmelweis
– Pionier der Handhygiene

Der österreichisch-ungarische Arzt Semmelweis erkannte im 19. Jahrhundert, dass Frauen im Krankenhaus öfter an Kindbettfieber starben, wenn die Mediziner zuvor Leichen seziert hatten. Deshalb bemühte er sich, Hygienevorschriften einzuführen (dass die Übertragung von Bakterien die Todesursache war, wusste man damals noch nicht). Seine Studie von 1847/48 gilt heute als Musterbeispiel für eine methodisch korrekte Überprüfung wissenschaftlicher Hypothesen. Zu Lebzeiten wurde ihm dies nicht zuerkannt und als „spekulativer Unfug“ abgelehnt, nur wenige Kollegen unterstützten ihn. Hygiene war Zeitverschwendung und wurde nicht als Krankheitsursache angesehen.

Buchtipp
Bund fürs Leben. Warum Bakterien unsere Freunde sind

GPSP 4/2014, S. 16


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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