Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2008 / 04 S. 15Lb

Leserbriefe:

Plavix bei Durchblutungsstörungen

„Auf Grund zerebraler Durchblutungsstörungen wurde mir Plavix® (Clopidogrel) verschrieben. Da ich das teure Medikament zum Teil mitfinanzieren muss, meine Frage: Ist ASS ein vollwertiger Ersatz für
Plavix®?“   C.S.

GPSP: Plavix® (Clopidogrel) kann bei chronischen Erkrankungen meist durch ASS ersetzt werden. Nur bei Unverträglichkeit oder Unwirksamkeit von ASS muss Clopidogrel gegebenenfalls dauernd eingenommen werden. Da wir Ihre Vorgeschichte nicht kennen, ist eine individuelle Empfehlung auf diesem Wege natürlich nicht möglich. Fragen Sie also ruhig nochmals bei Ihrem Arzt nach, welche Gründe bei Ihnen ausschlaggebend sind.

Ginkgo und Lutein bei AMD?

„Bei mir ist die altersbedingte Makuladegeneration festgestellt worden. Kann man Ginkgo- und Luteinpräparate ohne Bedenken dauerhaft einnehmen?“   C.R.

GPSP: Die wissenschaftliche Datenlage ist bei Substanzen, die wie Lutein Nahrungsbestandteile oder wie Ginkgo nicht verschreibungspflichtig sind, häufig unbefriedigend. Einen Hinweis auf ein mögliches spezielles Risiko der Kombination von Ginkgo und Lutein haben wir nicht gefunden.

In der deutschen Datenbank zu Arzneimittelnebenwirkungen finden sich keine Meldungen zu Lutein. Eine gefährliche, aber seltene Nebenwirkung von Ginkgo ist die verstärkte Blutungsneigung, und diese kann durch andere Substanzen wie z.B. ASS (Aspirin® u.a.), Phenprocoumon (Marcumar® u.a.), Clopidogrel (Plavix® u.a.) oder Ticlopidin (Ticlid® u.a.) verstärkt werden. Akute Hirnblutungen unter Ginkgo sind beschrieben worden.

Sie sollten deshalb angesichts der ohnehin schlecht belegten Wirksamkeit von Ginkgo entweder auf seine Einnahme ganz verzichten, zumindest aber bei zusätzlich eingenommenen oder verordneten Medikamenten mit Ihrem Arzt das mögliche Risiko diskutieren. Im Falle von „spontan“ aufgetretenen Blutungen z.B. in der Haut, aber auch bei Sehstörungen (Möglichkeit einer Blutung im inneren Auge) sollten Sie ebenfalls den Arzt kontaktieren.

Die Wirksamkeit von Lutein lässt sich nicht beurteilen, da es nach unserer Ansicht derzeit keine überzeugenden Studien dazu gibt. Es läuft unseres Wissens derzeit eine methodisch akzeptable Studie dazu, die aber erst 2006 begonnen wurde und 2013 beendet wird. Erst wenn aus dieser Studie Berichte vorliegen, kann man sinnvolle Aussagen zur möglichen Wirksamkeit machen.


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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