Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2005 / 02 S. 08

Nahrungsergänzungen

Geschäfte mit Sportbund-Güteprädikat

Der Deutsche Sportbund empfiehlt neuerdings zusammen mit einem Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln so genannte Nano-Produkte für „leistungsorientierte und gesundheitsbewusste Menschen“.1 Dahinter verbirgt sich ein Geschäft auf Kosten der Sportler.

FussballMit einem patentierten Verfahren sollen in den Produkten Nano-Liquid® und Spray Active® die Bestandteile Silizium, Kalzium und Magnesium mechanisch zu ganz kleinen Teilchen gemahlen sein.

Den Mineralien werden wegen dieser Herstellungsmethode „ganz neue Eigenschaften“  zugeschrieben. Der Deutsche Sportbund hat diesen „Nano-Mineralien“ das „Güteprädikat: empfohlen +»-ü-É Deutscher Sportbund“ verliehen. Wer aber vermutet, dass die auf diese Weise hoch gelobten Präparate besonders getestet und erprobt sind, wird getäuscht. Wissenschaftliche Belege für einen Nutzen der Nahrungsergänzungen erhielt die Redaktion weder vom Hersteller neosino nanotechnologies AG noch vom Deutschem Sportbund. Dabei sollen die Produkte angeblich nicht nur für das „torreiche Spiel“ des Bayernstürmers Roy Makaay mitverantwortlich sein, sondern auch biologische oder verschleißbedingte Alterungsprozesse verzögern.1

Angesichts der fehlenden Wirksamkeitsbelege erscheint uns der Hinweis, die Produkte entfalten „ihre effektivste Wirksamkeit“, wenn sie „kontinuierlich präventiv angewendet werden“, als Griff in den Geldbeutel der angesprochenen Breitensportler: Der Monatsbedarf von 30 Trinkampullen Nano-Liquid® kostet 83,70 Euro.

Das Güteprädikat des Deutschen Sportbundes – laut Eigenwerbung mit 27 Millionen Mitgliedern die größte Sportorganisation der Welt ­­– offenbart lediglich eine fragwürdige Geschäftsbeziehung hin und ist kein Beweis für die Wirksamkeit. Über die Geld­beträge, die der Sportbund für sein Güteprädikat vom Nano-Produkte-Anbieter erhalten hat, „wurde Stillschweigen vereinbart“, teilt uns der Geschäftsführer der Deutsche Sport Partner GmbH mit (ein Unternehmen des Deutschen Sportbundes und der Hubert Burda Media). Wir wissen nicht, wie viel die Beteiligten an dem Werbedeal verdienen. Eins verdienen sie jedoch gewiss: Die Rote Karte für Abzockerei bei Hobbysportlern.

Quellen
1     Deutscher Sportbund, Neosino AG: Presseinformation NS-21/05
2     Großklaus, R.: Berliner Ärzte 2005; Nr. 11: 26-7


Geschickte Wortwahl

„Grundsätzlich dürfen Nahrungsergänzungsmitteln […] keine Eigenschaften zugeschrieben werden, die der Verhütung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit dienen“.2 Diese Einschränkungen umgeht der Anbieter der Nanoprodukte geschickt, indem er von „Verschleiß“ spricht, also nicht von einer Krankheit. Er verspricht keine Verhütung einer Krankheit (= Prävention), was verboten wäre, empfiehlt aber die kontinuierliche präventive Anwendung.


LEXIKON

Nahrungsergängzungsmittel

Angeblich sollen unserem Essen wichtige Stoffe fehlen. Diese Mängel sollen sich nicht durch die täglichen Mahlzeiten ausgleichen lassen, so das Credo der Nahrungsergänzungsmittelindustrie. Dabei war die Versorgung mit Nahrungsmitteln in unseren Breiten noch nie so vielfältig und lückenlos wie heutzutage. Bestehen diätbedingte Versorgungsmängel, wäre die Konsequenz zudem nicht, „Nahrungsergänzungen“ einzunehmen, sondern die Ernährung umzustellen. Für Gesunde sind Vitamin- und Mineralstoffpräparate in der Regel überflüssig und manchmal sogar schädlich. Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts zur Ernährung in Deutschland zeigte, dass die Menschen grundsätzlich ausreichend Vitamine und Mineralien zu sich nehmen. Mangelzustände sind selten und werden meist durch Erkrankungen verursacht. Diese müssen ärztlich behandelt werden.



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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