Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2019 / 03 S. 27

Gepanschtes:

Wundermittel gibt es nicht

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In den vergangenen zwei Monaten haben wir drei gepanschte Nahrungsergänzungsmittel aufgespürt. In allen dreien wurden Erektionsförderer wie Sildenafil und Tadalafil entdeckt, in einem Produkt sogar insgesamt sechs Stoffe, die nicht auf der Packung deklariert waren.

„Nur“ drei Produkte, das erscheint wenig – finden wir doch sonst innerhalb von zwei Monaten zwischen dem Erscheinen von zwei GPSP-Heften üblicherweise 10 bis 20 oder mehr gepanschte Produkte. Da Panschereien jedoch ausschließlich zufällig bei Überprüfungen von Nahrungsergänzungsmitteln in Laboren auffallen, also lediglich die Spitze des Eisbergs sind, ist die geringe Zahl keineswegs ein Hinweis auf eine Besserung der Situation.

Wer im Internetversandhandel angeblich natürliche und als besonders gut wirkend angepriesene Erektionsförderer kaufen will, sollte sich klar machen: Wirklich wirksame Erektionsförderer sind in der Regel Arzneimittel und verschreibungspflichtig. Rein pflanzlich und gut wirksam ist in diesem Bereich ein Widerspruch, der Interessenten zurückschrecken lassen sollte. Internetforen, in denen Wirksamkeit für rein pflanzliche Mittel „bestätigt“ wird, sind trügerische Ratgeber. Bestenfalls werden dort gutgläubig Wirkungen behauptet. Oder die beschriebenen Effekte beruhen auf nicht deklarierten chemischen Zusätzen, deren Auswirkungen hinsichtlich Nutzen und Schaden unkalkulierbar – also riskant –  sind. Nicht auszuschließen ist ferner, dass Anbieter der Produkte oder von den Firmen angeheuerte Autoren in den allseits beliebten Internetforen mitschreiben oder diese sogar initiiert haben. Und nicht zuletzt: Wundermittel gibt es leider nicht. Weder unter Nahrungsergänzungsmitteln noch unter Arzneimitteln.

Die drei nun aufgespürten illegalen gepanschten Nahrungsergänzungsmittel haben wir in unsere Internetdatenbank (www.viagramonster.info) aufgenommen. Dort finden Sie inzwischen Näheres zu weit über 2.000 illegalen Nahrungsergänzungsmitteln. Damit haben Sie bei GPSP Zugriff auf die weltweit umfangreichste öffentlich zugängliche Datenbank zu gepanschten Produkten.


Neu gefunden

Mit chemischen Potenzmitteln gepanscht

Produkt: auf der Packung nicht deklarierte Stoffe

Bluefusion Kapseln: Sildenafil + Tadalafil + Desmethylcarbodenafil + Dithiodesmethylcarbodenafil + Scutellarin + Daidzein
Instinct Best Sexual Enjoyment: Sildenafil
Leopard Miracle Honey: Sildenafil

Sildenafil ist der Wirkstoff des Arzneimittels Viagra® (auch in zahlreichen Generika erhältlich). Tadalafil wurde als Arzneimittel zuerst als Cialis® in den Handel gebracht, später auch als Generika. Bei Desmethylcarbodenafil und Dithiodesmethylcarbodenafil handelt es sich um chemische Varianten dieser Erektionsförderer. Sie wurden noch nie systematisch auf Nutzen und Schaden geprüft. Die Panscherei von Nahrungsergänzungsmitteln mit nicht deklarierten – also verheimlichten – verschreibungspflichtigen Wirkstoffen gegen Erektionsstörungen ist besonders heimtückisch und kriminell. Sie können Verbraucher erheblich gefährden. Denn manche Menschen dürfen gerade solche chemischen Erektionsförderer nicht einnehmen. Dazu gehören Herzkranke, die gleichzeitig Nitropräparate wie Isosorbiddinitrat (ISDN) oder ähnliche Arzneimittel gegen Angina pectoris benötigen (GPSP 2/2013, S. 4 – www.viagramonster.info/angina-pectoris). In Kombination mit einem chemischen Erektionsförderer wie Sildenafil kann der Blutdruck lebensbedrohlich abfallen. Vor allem wer aus medizinischen Gründen chemische Erektionsförderer meiden muss, erhofft sich jedoch möglicherweise Hilfe von den als harmlos beworbenen Nahrungsergänzungsmitteln und ist unwissentlich gefährdet, wenn er an ein gepanschtes Produkt gerät.

Bluefusion Kapseln enthalten neben vier (!) Stoffen, die den Erektionsförderern zugeordnet werden können, zwei weitere Substanzen, die pflanzlichen Ursprungs sind. Ihre Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln, insbesondere in Kombination mit Erektionsförderern, ist unzureichend geprüft.



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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