Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2013 / 01 S. 26

Entzündete Nasennebenhöhlen

Sinupret® Extract?

© Schlierner/ fotolia.com

Das „alte“ Sinupret®, eine Mischung aus fünf verschiedenen pulverisierten Pflanzen, nahm im Jahr 2011 Rang 13 unter den meist verkauften Arzneimitteln ein (GPSP 2/2012, S. 11). Seit kurzem gibt es eine neue Variante: Sinupret® Extract.

Statt pulverisierter Pflanzen wie in Sinupret® und Sinupret® Forte enthält Sinupret® Extract die fünf Bestandteile Enzianwurzel, Eisen- und Ampferkraut, Holunder- und Schlüsselblumenblüten als getrocknete alkoholische Auszüge (Extrakte, siehe Glossar). Das Präparat ist für Erwachsene mit akuter unkomplizierter Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) zugelassen. Sein Anbieter verspricht eine „besonders starke“ Wirkung: Zähen, festsitzenden Schleim soll das Mittel lösen können und zugleich entzündete Schleimhäute abschwellen.1,2

Vor einem Jahr stuften wir die damalige Werbung für das „alte“ Sinupret® als „unbelegte Behauptungen Behauptungen auf dem Niveau von Waschmittelwerbung“ ein (GPSP 2/2012, S. 11). Für das neue Sinupret® Extract ist immerhin eine Studie veröffentlicht, die für die behördliche Zulassung ausschlaggebend war. In dieser wird das Präparat mit einem Scheinmedikament (Placebo) verglichen. Den Nutzen der neuen Sinupret®– Variante kann aber auch diese Studie nicht absichern.3 Allen Patienten geht es am Ende der Studie viel besser. Der Unterschied zwischen Effekten des Prüfpräparates und des Scheinmedikaments ist dabei gering. Außerdem stellt sich dieser erst spät ein: Selbst nach mehreren Tagen Einnahme wird noch kein Vorteil gegenüber der Placebo-Anwendung deutlich. Die meisten Menschen mit Sinusitis dür&en aber eher an einer raschen Linderung ihrer Beschwerden interessiert sein als daran, dass es ihnen nach zwei Wochen mit Sinupret® Extract ein wenig besser geht, als wenn sie in dieser Zeit ein Scheinmedikament eingenommen hätten.3

Um Beschwerden wie etwa Kopfschmerzen und Druck im Stirn- und Augenbereich zu lindern, halten wir bewährte Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol für besser geeignet als Sinupret® Extract. Je nach Bedarf können Sie zur Linderung der Beschwerden preiswerte abschwellende Nasentropfen oder Nasenspray kurzzeitig anwenden. Für Sinupret® Extract müssen Sie pro Packung zu 40 Tabletten 22,90 € aus eigener Tasche bezahlen.

Was ist ein Extrakt?
Schon vor Jahrhunderten wurden Heilmittel hergestellt, indem man Pflanzen oder Pflanzenteile – selten auch tierische Materialien – mit einem Lösungsmittel extrahiert hat. Die Apotheker sprechen von Drogenauszügen, wobei mit dem Wort „Drogen“ überwiegend Arzneipflanzen gemeint sind und nicht etwa Rauschdrogen. Abhängig vom verwendeten Lösungsmittel – meist Alkohol in unterschiedlicher Konzentration – lassen sich zum Teil verschiedene Bestandteile aus den Pflanzen herauslösen. Daher können sich mit unterschiedlichen Lösungsmitteln hergestellte Extrakte in ihren Wirkungen und unerwünschten Effekten unterscheiden.

Eine Rolle spielt auch, welche Pflanzenmenge für die Herstellung des Extraktes verwendet wird. Dies können Sie auf den Packungen nachlesen. Beispielsweise steht beim Präparat Sinupret® Extract, das pro Tablette 160 mg Trockenextrakt aus verschiedenen Pflanzenteilen enthält, hinter der Angabe der Pflanzenextrakte „3-6:1“. Dies bedeutet, dass drei bis sechs Teile Pflanzenbestandteile benötigt wurden, um einen Teil Extrakt herzustellen, also 480 mg bis 960 mg Pflanzenbestandteile pro 160 mg Trockenextrakt.

Extrakte können als Flüssigkeit angeboten werden (alkoholische Extrakte, so genannte Tinkturen) oder – nachdem das Lösungsmittel abgedampft worden ist – als Trockenextrakt, der vielfach zu Dragees oder Tabletten verarbeitet wird. Übrigens: Auch bei einem Glas Tee handelt es sich um einen Extrakt: Um den wässrigen Auszug aus getrockneten Teeblättern.


Quellen
1 Grätzel von Grätz P (2012) Ärzte Ztg. 1. Okt., S. 10
2 Pharm. Ztg. (2012) Nr. 44, 152 S.50
3 arznei-telegramm (2012) 43, S. 91-92


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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