Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2013 / 06 S. 22

Energy-Drinks und Alkohol

Unabhängige Forschung nötig

© Superbass

Die Kombination von Red Bull® oder anderen Energy-Drinks mit Alkohol ist bei jungen Menschen beliebt. Über mögliche Risiken berichteten wir in GPSP 2/2013, S. 13. Alkohol kann müde machen, dem wirkt die aufputschende Wirkung des Koffeins in Energy-Drinks entgegen – das ist zumindest die subjektive Wahrnehmung. Der Alkohol wirkt im Körper trotzdem. Die Folge können Selbstüberschätzung, erhöhte Risikobereitschaft und aggressives Verhalten sein.

Ein australischer Wissenschaftler weist darauf hin, dass Hersteller von Energy-Drinks versuchen, die Forschung zu diesem Thema zu beeinflussen.1 Risiken könnten so heruntergespielt werden. Beispielsweise fällt auf, dass Untersuchungen zur Wirkung der Kombination Alkohol und Energy-Drinks üblicherweise mit geringen Alkoholmengen und mit nur einer Dose des Koffeingetränks durchgeführt wurden. Dies spiegelt aber nicht die Realität wider: Der Konsum im Laufe einer Partynacht liegt eher zwischen zwei und fünf Dosen. Die Prüfstrategie mit Minimalkonsum sei kein Zufall, so der Verdacht des australischen Autors. Er berichtet: Red Bull® kontaktiere Wissenschaftler, die über Energy-Drinks arbeiten, um ihnen eine Zusammenarbeit, beispielsweise bei der Konzeption einer Studie anzubieten.

Solche firmennahen Untersuchungen werden dann meist während Fachkonferenzen vorgestellt. Ihre Interessenkonflikte legen die vortragenden Autoren dabei in aller Regel nur unzureichend offen. Im vergangenen Jahr gab es auf einer Konferenz in Australien gleich mehrere wissenschaftliche Vorträge zum Thema. Vier der fünf Referenten hatten für ihre Forschung Geld von Red Bull® erhalten. Und seltsam: Im Ergebnis waren die Vier sich einig, die Kombination von Alkohol und Energy-Drinks berge keine Risiken. Der einzige Wissenschaftler, der kein Geld von Red Bull® bezogen hatte, war zurückhaltender: Die bisherigen Untersuchungen ließen seiner Meinung nach keine Schlussfolgerungen zu. Es bedarf unabhängig finanzierter Forschung, die sich am tatsächlichen Konsum von Energy-Drinks orientiert, um die tatsächlichen Risiken von Cocktails aus Energy-Drinks und Alkohol zu erfassen.


Quelle
1 Miller P (2013) BMJ; 347, S. f5345

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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