Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2010 / 01 S. 14a

Eine neue „Pille danach“

Was bringt Ulipristal (ellaOne®)

Vor etwa 10 Jahren ist mit Levogynon® die erste „Pille danach“ auf den Markt gekommen, die ausschließlich das Gestagen Levonorgestrel enthält. Sie soll nach ungeschütztem Sex eine Schwangerschaft verhindern. Jetzt gibt es wieder eine neue Variante der „Pille danach“. Hat sie Vor- oder Nachteile?

Eine neue "Pille danach"Als Ende 2009 Ulipristal (ellaOne®) in den Handel kam, haben Journalisten es als „Pille für noch länger danach“ getauft,1 da es bis zu fünf Tage nach ungeschütztem Sex eingenommen werden darf – im Gegensatz zu den Levonorgestrel-haltigen Präparaten, die höchstens bis zu drei Tage nach dem Malheur zugelassen sind. Das kann vor allem am Wochenende zu Problemen führen, da sie hierzulande – anders als in 19 europäischen Ländern und den USA –  nach wie vor nur mit Rezept erhältlich sind.2

Levonorgestrel und Ulipristal wirken wahrscheinlich dadurch, dass sie den Eisprung hemmen oder verzögern. Die Wirksamkeit von Ulipristal ist allerdings unbefriedigend dokumentiert. In einer Studie mit 1.500 mindestens 18-jährigen Frauen, die zwei bis fünf Tage nach ungeschütztem Sex Ulipristal eingenommen hatten, wurden dennoch 29 Frauen (2,2%) schwanger. Das sind zwar weniger als ohne das Medikament (5,6%). Dieser Vergleichswert wurde – wie in solchen Studien üblich – aber lediglich geschätzt.3

Ob Ulipristal Schwangerschaften in den ersten drei Tagen nach ungeschütztem Sex ebenso gut verhütet wie Levonorgestrel, lässt sich derzeit nicht beurteilen, da aussagekräftige vergleichende Daten hierzu fehlen.2

Ulipristal ist nicht besser verträglich als Levonorgestrel. Sehr häufig (also bei mehr als zehn von hundert Frauen) kommt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen. Häufig (bei einer bis zehn von hundert Frauen) sind Erbrechen und Schwindel. Bei einigen Frauen wurden Zysten der Eierstöcke entdeckt.

Ob sich Ulipristal negativ auf das Neugeborene auswirkt, wenn die Frau trotz der Einnahme schwanger wird – oder ohne es zu wissen schon schwanger war –, ist noch unklar. In Tierstudien gab es zumindest keine Hinweise auf Fehlbildungen bei Neugeborenen.

Das Ulipristal-Präparat ellaOne® ist mit 35,30 Euro etwa doppelt so teuer wie die Levonorgestrel-Präparate Levogynon® (17,79 Euro) und Uno­fem® (16,85 Euro).

Als „Pille danach“ empfehlen wir die bewährten Levonorgestrel-Präparate Levogynon® oder Unofem®. Wer ellaOne® vier oder fünf Tage nach ungeschütztem Sex einnimmt – Levonorgestrel ist dafür nicht zugelassen –, sollte bedenken, dass über die Verträglichkeit noch zu wenig bekannt ist. Falls Frauen sich trotzdem für ellaOne® entscheiden, raten wir dazu, zuvor einen Schwangerschaftstest durchzuführen.


Quellen
1    Berliner Zeitung. 30. Sept. 2009
2    arznei-telegramm 2009; 40: 97-8
3    EMEA: Europ. Beurteilungsbericht (EPAR) ellaOne®, Stand Nov. 2009
www.ema.europa.eu/humandocs/Humans/EPAR/ellaone/ellaone.htm

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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