„Neben“wirkung Depression

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Bestimmte Arzneimittel sind riskant für die psychische Stabilität. Zu ihren unerwünschten Wirkungen gehört, dass sie in seltenen Fällen Depressionen auslösen können oder den Gedanken an eine Selbsttötung aufkommen lassen. „Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA nennt über 50 Wirkstoffe, die die Psyche derart destabilisieren können“, sagt Bruno Müller-Oerlinghausen von Gute Pillen - Schlechte Pillen. Er ist Arzt für Klinische Pharmakologie und war viele Jahre in der Psychiatrischen Klinik der Freien Universität Berlin tätig.

Zu den Arzneimitteln, die sehr selten, aber doch immer wieder mal psychische Störungen provozieren, gehört unter anderem das Anti-Malariamittel Mefloquin. Bei Reisen in bestimmte tropische Region wird es vor allem als Notfallmedikament verwendet (GPSP 4/2011, S.8). Wer erste Anzeichen einer depressiven Stimmung bemerkt, sollte sich unverzüglich an einen Arzt oder eine Ärztin wenden.

Sowohl bei Mefloquin als auch bei anderen Wirkstoffen wie dem Hepatitismittel Interferon alfa, bei Isotretinoin gegen schwere Akne oder Bupropion und Vareniclin zur Tabakentwöhnung können sowohl zuvor psychisch gesunde wie auch psychisch kranke Menschen von Depressionen oder Suizidgedanken betroffen sein.

Es gibt viele offenen Fragen zu diesen sehr belastenden „Neben“wirkungen, die besser als unerwünschte Wirkung bezeichnet werden. Zum Beispiel: Welche individuellen Dispositionen im Körper spielen eine Rolle?

Da die psychischen Störwirkungen vieler Medikamente relativ selten vorkommen, wird der ursächliche Zusammenhang zwischen Arzneimittel und psychischer Auffälligkeit auch von Ärzten oft nicht erkannt. „Umso wichtiger ist es, schon bei dem Verdacht, dass ein Medikament „schuld“ an einer depressiven Störung oder an Selbsttötungsgedanken ist, ärztliche Hilfe zu suchen“, betont Müller-Oerlinghausen von Gute Pillen – Schlechte Pillen. „Wenn Ärzte solche Befunde den deutschen Erfassungszentren für unerwünschte Wirkungen melden, führt das auch dazu, dass die zugrundeliegenden Mechanismen und Risikofaktoren besser erforscht und verstanden werden.“ Natürlich wird der Name eines Betroffenen nicht weitergegeben. Die Meldungen sind anonymisiert.

Den Originalartikel aus GPSP Mai/Juni 2013 (3/2013) finden Sie hier

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