Gefälschte Arzneimittel

GPSP
© Gina Sanders - Fotolia.com

Gefälschte Arzneimittel sind in Deutschland kein relevantes Problem – zumindest derzeit nicht. Weltweit sind Arzneimittelfälschungen allerdings eine erhebliche Bedrohung der Gesundheit. Das größte Einfallstor für gefälschte Medikamente in Deutschland ist das Internet

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation1 soll die Hälfte des online-Angebots gefälscht sein. Fälschungen können lebensbedrohliche Folgen haben, warnt die Zeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen. Im günstigsten Fall entspricht die Zusammensetzung der illegalen Fälschung exakt dem Original. Oft ist jedoch zu wenig, gar kein oder sogar ein anderer Wirkstoff enthalten. Und manchmal ist das gefälschte Mittel überdosiert. Die Packung und die darin enthaltenen Tabletten lassen sich oft nicht – oder nur schwer – vom Original unterscheiden.

Das Bundeskriminalamt erfasste zwischen 1996 und 2008 in einer Studie lediglich 49 Arzneimittelfälschungen, die in deutschen Apotheken und im Arzneimittelgroßhandel entdeckt wurden.2 Gefälscht werden überwiegend rezeptpflichtige Arzneimittel aus dem Lifestyle-Bereich, die teuer sind und daher besonderen Profit versprechen. Dazu zählen Potenzmittel, Haarwuchsmittel, leistungssteigernde bzw. muskelaufbauende Präparate und Mittel zur Gewichtsreduktion wie Appetithemmer. Die Fälschungen lassen sich meist relativ leicht herstellen, und dennoch teuer verkaufen. Deshalb ist die Gewinnspanne bei Arzneimittelfälschungen oft größer als im Drogenhandel.

Bisweilen fängt der Zoll Fälschungen ab, wenn sie als Paket nach Deutschland gelangen. Das Produkt wird beschlagnahmt und im schlimmsten Fall wird für den illegalen Import3 ein Verwarnungsgeld von 35 Euro fällig. Bei Wiederholungstätern, bei größeren Mengen und beim Import von Anabolika oder Betäubungsmitteln folgt ein Bußgeldverfahren, bei gewerblichen Einfuhren ein Strafverfahren.

Gelangen gefälschte Präparate in die etablierten Vertriebswege, gerät auch die bisher bestehende Sicherheit der in Apotheken verkauften Arzneimittel ins Wanken. Angesichts der internationalen Handelsverflechtungen scheint das Risiko zu wachsen. Kürzlich gelangte in Spanien produziertes gefälschtes Omeprazol-Ratiopharm® in den deutschen Handel und damit erstmals eine größere Menge eines Generikums. Bezogen auf den Wirkstoffgehalt stufen die Behörden die Fälschung jedoch als unbedenklich ein. In den USA wurden 2012 dagegen Packungen des Krebsmittels Bevacizumab (Avastin®) entdeckt, die überhaupt keinen Wirkstoff enthielten. Die Herkunft der Ware ließ sich bis zur Türkei zurückverfolgen. Schlimm waren auch die Folgen gefälschten Heparins. Der blutgerinnungshemmende Wirkstoff wurde – aus kommerziellen Gründen – aus einem minderwertigen Rohstoff hergestellt und gelangte von China aus weltweit in die Arzneimittelproduktion. Die Ware war mit den damals üblichen Routineanalysen nicht als Fälschung zu erkennen. Zahlreiche Menschen sind deshalb gestorben.

Damit gefälschte Arzneimittel nicht in die legale Verteilerkette gelangen, hat die EU 2011 eine so genannte Fälschungsrichtlinie verabschiedet. Erprobt wird derzeit ein extrem teures und aufwändiges Verfahren, mit dem die Echtheit von Arzneimittelpackungen überprüft werden könnte. Global gesehen wäre es viel wichtiger, die weltweiten Produktions- und Vertriebswege strenger zu kontrollieren. Und mit einer Preissenkung völlig überteuerter Medikamente würde auch der Hauptanreiz zur Fälschung verschwinden.4 Christian Wagner-Ahlfs von der Zeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen rät deshalb: „Als Verbraucher schützt man sich am besten, indem man Medikamente nicht im Internet bestellt.“5

Diese Meldung online

Ausführlicher Hintergrundartikel mit weiteren Quellen
Pressemitteilung als PDF

 

Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Christian Wagner-Ahlfs
[email protected]

 

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

 

 

 

ViagraMonster ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

 

Unabhängige Information zur Gesundheit: Information pur, ohne Werbung. Die Verbraucherzeitschrift Gute Pillen -Schlechte Pillen bietet Orientierung im Pharma-Dschungel. 

 

 

Quellen:
1 WHO (2006) Fact Sheet, Counterfeit medicines, 14. Nov. http://www.who.int/medicines/services/counterfeit/impact/ImpactF_S/en/index.html
2 Pharm. Ztg. (2012) 157 (46) S. 4059
3 Das Arzneimittelgesetz verbietet den unregulierten Import von Medikamenten.
4 Schaaber J, Wagner C (2007) Medikamentenfälschungen – Wo liegen die Probleme? Pharma-Brief Spezial Nr. 1 http://www.bukopharma.de/uploads/file/Pharma-Brief/2007_01_spezial.pdf
5 Eine Ausnahme sind in Deutschland behördlich geprüfte Internetapotheken mit DIMDI-Logo (GPSP 5/2009, S. 9) https://viagramonster.info/pages/archiv/jahrgang-2009/nr.-5-sept.okt.-2009/kurz-und-knapp-versandapotheken-auf-sicherheitslogo-achten.php

 

GEPANSCHTES

Gepanschtes-Button-B272px

Heft-Archiv


Ausgabe 2018/05




AKTION

AKTION 1000 neue Abonnenten

Spenden

Unsere Informationen gefallen Ihnen?
SpendenWenn Sie Gute Pillen – Schlechte Pillen mit einer Spende unterstützen, hilft uns das, unabhängig und werbefrei zu sein. GPSP ist gemeinnützig. Spenden sind steuerlich absetzbar: