Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2016 / 02 S. 18

Glosse

Glücksfabrik Coca-Cola

© Andrew Flynn
© Andrew Flynn

Irgendwie würde doch was fehlen, wenn die Coca-Cola-Company ihren Laden dicht machte – vielleicht einfach, weil Jung und Alt den süßen Saft nicht mehr kaufen mögen. Und zwar weil Softdrinks fett machen und das oft noch Diabetes 2 heraufbeschwört.1 Herz und Leber sind ebenfalls gefährdet. Und wenn sich dann noch rumspricht, dass Wasser aus dem Hahn bei uns kaum zu toppen ist…

Könnte ja alles passieren. Aber irgendwie wäre das schade. Speziell in der Vorweihnachtszeit würde den Kinderlein („Ihr Kinderlein kommet“…) sicher der knallrote Coca-Cola-Truck mit 24 Türchen als Adventskalender fehlen. Und was ist überhaupt in all den 60 Städten zwischen Bayreuth, Wilhelmshaven und Burg auf Fehmarn los, wenn hier keine brummenden Coca-Cola Trucks mehr Weihnachtsstimmung verbreiten?

Außerdem sollten wir mal über die Landesgrenzen hinaus schauen, zum Beispiel nach Uganda. Da würden Grundschulen eventuell namenlos in der Landschaft stehen. Schüler und Schülerinnen könnten in der Morgendämmerung an ihrer Schule glatt vorbeitrödeln, weil zum Beispiel das Tableau mit dem Hinweis fehlt: BARAMINDYANG PRI. SCHOOL KOLE. Übrigens darüber und richtig fett: ENJOY AN ICE COLD COKE. Hübsch verziert ist das Namensschild mit dem Emblem CocaCola® und der traditionellen Pulle.2

Hierzulande sind die Grundschulen nicht gefährdet, falls bei der Company mal Schluss sein sollte. Aber was wird aus dem Coca-Cola Happiness-Institut, das Lebensfreude hochhält und für seinen Happiness-Kongress sogar Eckart von Hirschhausen einlud? Und der kam! 3

Wie gut, dass humorige Mediziner keine Interessenkonflikte fürchten. Hat doch die angesehene medizinische Zeitschrift Lancet kürzlich den praktizierenden Ärzten und ihren Fachorganen jegliche Geldspritze von der Nahrungsmittelindustrie regelrecht verboten. Dabei fördern Sponsoren wie Coca-Cola doch so die Gesundheit, wie die Präsidentin der Nordamerika-Niederlassung versicherte!

Offenbar glaubten das auch Charité-Mediziner, die sich ihre Forschung mit einem 1-Million-Euro Schluck aus der Pulle der Company versüßten.4 Aber Lancet lässt das Mäkeln nicht: „…die Ziele von Coca-Cola und von medizinischen Organisationen oder Gesundheitsforschern, die die Gesundheit verbessern wollen, sind sehr verschieden.“ 5

Welch Trauerspiel für die süße Glücksfabrik mit den süßen roten Trucks und Happiness.

1 Imamura FO u.a. (2015) BMJ 351:h3576
2 Flynn A, Okuonzi SA (2016) Lancet 387, S. 25
3  www.coca-cola-deutschland.de/das-coca-cola-happiness-institut/
4 Balser M und Ritzer U (2016) Klebrige Kontakte. Süddeutsche Zeitung 3. Feb.
5Lancet (2015) 386, S. 13125

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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