Ausgabe Nr. 3 Mai/Juni 2018

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Liebe Leserin, lieber Leser,
das ist mal wieder ein typisches GPSP-Heft geworden: Statt Ihnen die aktuellsten Therapieversprechungen aufzutischen, sezieren wir falsche Botschaften und bieten Ihnen viel Stoff zum Nachdenken. Allerdings wollen wir keinesfalls Pessimismus verbreiten, sondern Sie vor unnötigen Ausgaben, Diagnosen und Therapien schützen.
Gar nicht so „soft“
Besonders übersüßte Getränke und andere stark zuckerhaltige Lebensmittel führen zu Übergewicht – und in der Folge zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Großbritannien hat jetzt Konsequenzen gezogen und eine Steuer für Softdrinks eingeführt.
Tamoxifen-Gentest – teure Ungewissheit
Für teures Geld wird ein Gentest angeboten, der bei Patientinnen mit hormonsensitivem Brustkrebs den Nutzen von Tamoxifen individuell vorhersagen soll. Sie müssen den Test in der Regel selbst zahlen, da die Krankenkassen keinen Sinn darin sehen. Worum geht es?
Hilfe bei Parkinson?
Noch fehlen Medikamente, die eine Parkinson-Krankheit heilen oder den Verlauf aufhalten können. Allerdings wird das Nahrungsergänzungsmittel Coenzym Q10 entsprechend beworben. Auch wenn solche Wirkungen theoretisch plausibel sein mögen – die Ergebnisse von klinischen Studien sprechen eine andere Sprache.
Die Last mit den E-Zigaretten
Was E-Zigaretten für die Gesundheit bedeuten, ist immer noch unklar (GPSP 1/2017, S. 25). Manchen Rauchern kann sie vielleicht den Ausstieg erleichtern, bei jüngeren Menschen kann sie umgekehrt den Einstieg zum Rauchen von Tabakprodukten fördern. Und die langfristigen Risiken durch das Inhalieren des Chemiecocktails von E-Zigaretten sind bislang unbekannt. Eine Studie1 aus den USA hat nun versucht, Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen.
Gute Alte Pillen: COPD behandeln
Zurzeit kommen so viele neue Inhalationsmedikamente („Sprays“) zur Behandlung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung auf den Markt, dass selbst Fachleute den Überblick verlieren. Beruhigend: Die guten alten Vertreter der LABA und LAMA haben keineswegs ausgedient, für einen Wechsel gibt es keinen Grund.
Macht Getreide krank?
Weizen – ein „Killerkorn“? Unter dieser Überschrift hatte GPSP 5/2015 über den zweifelhaften Trend berichtet, Weizen generell zum Teufelszeug zu erklären. Die Behauptung, Weizen sei für eine Vielzahl an Erkrankungen verantwortlich, lässt sich so pauschal nicht halten. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE)1 ergänzt die Diskussion nun um die Frage, was vom „Trendlebensmittel Urgetreide“ zu halten sei. Ist Urgetreide gesünder als Weizen?
Fragwürdige Orakelei
Das Prinzip klingt überzeugend: Je früher man Hinweise auf eine drohende Krankheit sucht, desto größer sind die Chancen für eine erfolgreiche Therapie. Glaubt man Berichten in den Medien, gilt das auch für die Alzheimer-Krankheit. Denn fehlgeleitete Körperprozesse beginnen möglicherweise ihr zerstörerisches Werk schon lange vor ersten Symptomen wie Vergesslichkeit oder Verwirrtheit.
Kurz und knapp: Antibiotika und Antibabypille
Früher wurde in Beipackzetteln von Antibiotika darauf hingewiesen, dass der Empfängnisschutz von Antibabypillen – hormonellen Kontrazeptiva – bei einer Antibiotikatherapie vermindert sein kann und daher zusätzliche nicht-hormonelle Verhütungsmethoden nötig sind, um eine Schwangerschaft sicher zu vermeiden.
Kurz und knapp: Vorsicht Entflammbar!
Bereits vor neun Jahren machten wir darauf aufmerksam, dass bestimmte Kopflausmittel, die auf die Kopfhaare gesprüht oder eingerieben werden, leicht entflammbar sind und dadurch zu schweren Verbrennungen führen können (GPSP 2/2009, S. 10).
Kurz und knapp: Grünzeug Nicht keimfrei!
Frisches Grünzeug ist angesagt. Das gilt schon lange für Salate, seit einiger Zeit auch für frisches Blattgrün bei Kräutern und Tees, neuerdings auch für die beliebten Smoothies. All diese Lebensmittel werden als besonders gesund wahrgenommen.
Kurz und knapp: Diabetes Typ 2
Mithilfe von Diät und persönlicher Betreuung ist es in ganz normalen Hausarztpraxen gelungen, nicht nur das Übergewicht von zuckerkranken Patienten zu verringern, sondern auch den wichtigen Messwert HbA1c und den Bedarf an Arzneimitteln gegen Diabetes (Antidiabetika) zu senken.
Thyroxin
Thyroxin wird vor allem dann verordnet, wenn die Schilddrüse nicht mehr in der Lage ist, dieses körpereigene Hormon in ausreichender Menge selbst zu produzieren – also bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Aber muss jeder „Mangel“ behandelt werden?
Buchtipp: Freiheit von der Pille
Seit über 50 Jahren ist die Antibabypille auf dem Markt, und sehr viele Frauen in Deutschland nehmen jahrelang so ein Hormonpräparat ein, das Schwangerschaften verhindern soll. Immer mehr – und gerade auch gut informierte – junge Frauen haben dabei ein ungutes Gefühl. Manche lehnen die Pille mittlerweile strikt ab. Ihre Gründe sind vielfältig. In „Freiheit von der Pille“ beschreibt die Autorin, wie es dazu kam, dass sie nicht mehr hormonell verhütet. Und sie berichtet, wie gut es ihr damit geht.
Glosse: Wohl bekomms
Sicher wollen Sie endlich mal Buffalo Würmer gefriergetrocknet knabbern, oder Grashüpfer oder Mehlwürmer.1 Voll superguter Inhaltsstoffe und echt verführerisch sind definitiv Snacks von Apéro aus „100 essbaren Insekten in den Geschmacksrichtungen Barbecue und Gartenparty“.
Nachgefragt: Medikamente wieder loswerden
Gerade ältere Menschen nehmen häufig Tag für Tag viele Medikamente ein. Nicht selten führt das zu Problemen. Dann ist es sinnvoll, gemeinsam mit Arzt oder Ärztin zu überprüfen, ob nicht einzelne Arzneimittel abgesetzt werden können. Dieses Vorgehen bezeichnet man in der Fachliteratur als „Deprescribing“. Mit dem Allgemeinmediziner Andreas Sönnichsen haben wir darüber gesprochen, was dabei zu beachten ist.
Leserbriefe: Rheuma
Mit großer Freude lese ich Ihre Zeitschrift und war bislang der Meinung, dass Ihre Berichte seriös recherchiert sind. In Ausgabe 2/2018 ist ein Artikel „Was ist eigentlich Rheuma?“. Sie schreiben, für Betroffene seien auch nicht medikamentöse Verfahren nützlich, allerdings erst dann, wenn die Krankheit die Bewegungsmöglichkeit komplett einschränkt.
Leserbriefe: Zahnpasta mit oder ohne Fluorid?
Die Firma Wolff in Bielefeld verkauft eine Zahnpasta zur Karies-Prophylaxe mit dem Wirkstoff Hydroxylapatit. Danach sind Fluoride zunehmend umstritten. Sie stehen im Verdacht, sich als Giftstoff im Körper abzulagern. Was ist von dieser Zahnpasta zu halten?
Allergien
Was nützt der Mikronährstoff bei Allergien? Ob in Apotheke oder Internet: An vielen Stellen hört man den Ratschlag, dass sich Heuschnupfen oder Hautausschlag mit Kalzium in den Griff bekommen lassen. Stimmt das?
Wem nützt‘s?
Seit 2011 wird in Deutschland der tatsächliche Nutzen aller neu zugelassenen Arzneimittel bewertet: Bringen sie den Patienten wirklich mehr Gesundheit als bereits bestehende Therapien? Eine wichtige Frage, denn viele „Neuheiten“ bringen keine relevanten Verbesserungen. Wenn es nach der EU-Kommission geht, soll mit diesem konsequenten und transparenten Prüfungsverfahren bald Schluss sein.
Gepanschtes: Übeltäter geschont
Im Herbst 2017 haben sich europaweit Behörden zusammengetan, um Online-Angebote von Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zu überprüfen. Es war das erste Mal und überfällig. Doch Ross und Reiter werden nicht genannt.
Werbung - Aufgepasst! Übertriebene Hoffnungen
Für Krebsmedikamente darf nicht öffentlich geworben werden. Der Pharmahersteller Roche umschifft dieses Verbot: Auf der Webseite „Wissen-Immuntherapie“ stellt er allgemein das Konzept einer „neuen, zielgerichteten“ Therapie vor.